INTERVIEW MIT MICHAEL SCHWESSINGER

Also ethnologisch gesehen, ist das gar nicht so untypisch. Menschen haben gewöhnlich Angst vor den Unbekannten. Dieses Misstrauen findet man in vielen Kulturen. Interessanter für mich sind die nächsten Schritte. Wie kann ich Misstrauen abbauen? Ein Beispiel aus Norwegen. Als ich hier letzte Woche ankam, lud die Gemeinde alle Saisonarbeiter zu einer Rafting-Tour ein. Da waren ein Kroate mit Kriegserfahrung in seiner Jugend, eine Französin mit Hjab, eine Norwegerin, eine Jamaikanerin, ein anderer Franzose und ich in diesem Boot. Und wenn du mal so ein Rafting bei Schneeschmelze zusammen gemacht hast, dann verbindet das. Also ich zum Beispiel hab auch eine Unsicherheit bei verschleierten Frauen. Ich denke immer, was darfst du jetzt, was nicht, bekommt sie jetzt Probleme, wenn du sie zu lange ansiehst, etc. Dann sitzt du da im Boot und fällst übereinander, springst von irgendwelchen Felsen, merkst, dass du gar nicht so verschieden bist und kommst ins Gespräch danach. Also fragte ich sie dann, was ich schon immer mal wissen wollte, und sie war total relaxt und offen und erzählt mir dann eben ihre Sicht der Dinge drauf. Es war ein enormer Zugewinn. Also denke ich, man muss eben diese Orte schaffen zur Begegnung. Irgendwelche Sammelstellen sorgen für das Gegenteil. Warum man sich dieser Möglichkeit der Begegnung beraubt, weiß ich aber auch nicht.