ALLE INTERVIEWS

INTERVIEW MIT DAVID GLOWKA

Wir halten Menschenwürde und Gleichberechtigung für selbstverständlich. Für andere ist das gar nicht so. Sollte Wilhelm Busch recht behalten: „Die Welt ist so geräumig und der Kopf ist so beschränkt.“ Da hilft es auch nicht, den Ausländer zu verteufeln. Sie kennen unsere Welt gar nicht. Wir sollten ihnen erst unsere Welt zeigen, dass sie uns verstehen. Aber, das bekommen wir gar nicht hin, weil wir nicht miteinander reden. Wir sind nicht mutig genug, uns mit der Wahrheit auseinanderzusetzen. Und dazu gehört auch, dass wir die Sozialromantik in dieser Frage beiseitelassen sollten. Wir müssen den Menschen als Menschen betrachten unabhängig von seiner Herkunft.

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INTERVIEW MIT FRANZISKA REIF

Wenn die AfD das Sagen hat, wird es zappenduster, vor allem da, wo es bereits an Infrastruktur fehlt. In der Vergangenheit haben AfD-Vertreter*innen immer wieder gesagt, dass sie Kunst, Kultur, Bildung und politischen wie Sozialprojekten vorschreiben möchten, was genau dort jeweils betrieben wird; alles andere hat keine Daseinsberechtigung, wird entsprechend bekämpft und außerdem nicht finanziert. Außerdem werden weder der Rechtsstaat noch das gesellschaftliche Miteinander profitieren.

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INTERVIEW MIT ANTJE KRÖGER

Unsere Fressen sind nicht nur ein Politisches Konzept, beruhend auf einem Manifest, sondern auch ein Kunstprojekt, ein Projekt für die Gesellschaft, für die Menschen, ein Projekt für die Schönheit, die Resonanz und die Energie, die wir alle so nötig brauchen, um eine träge Masse zu bewegen.

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INTERVIEW MIT MICHAEL SCHMIDT

Ich habe nicht die Erwartung, dass sich jede und jeder mit Politik beschäftigt. Es ist aber wichtig, allen Menschen das Wesen von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, individueller Freiheit und gesellschaftlicher Teilhabe zu vermitteln. Dies erreiche ich einerseits über gute schulische Bildung und über vielfältige Angebote für die aktive Beteiligung von Menschen jeden Alters an gesellschaftlichen und politischen Prozessen. Wenn wir auch künftig in einer freien Gesellschaft leben wollen, die von Solidarität und gegenseitigem Respekt geprägt ist und jedem Menschen die Freiheit zur individuellen Entwicklung lässt, müssen wir alle auch selbst etwas dafür tun und aktiv am Erhalt der Demokratie und an der Wertevermittlung der Heranwachsenden arbeiten.

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INTERVIEW MIT DR. MICHAEL SCHRAMM

Irrationale Ängste und fehlende Bildung. Das ist überspitzt formuliert und ich bekomme da auch massiven Gegenwind, das ist mir klar. Es wird ja so unglaublich viel Geld im Bildungssektor ausgegeben und Sachsen ist PISA-Spitzenreiter usw., ich weiß … Aber „mangelnde Bildung“ meine ich ganz global; nicht nur dass man zur Schule gegangen ist oder regelmäßig Zeitung liest. Ich meine damit, dass man weiß, was gerade so abgeht und warum. „Breite Bevölkerungsschichten“ haben aufgehört, sich mit der Komplexität der gesellschaftlichen Wirklichkeit zu befassen und kritisch zu hinterfragen, was gerade passiert. Es ist viel einfacher, wenn man gesagt bekommt, was gut oder schlecht ist; vom Algorithmus der sozialen Medien oder der Werbung.

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INTERVIEW MIT CHRISTOPHER ZENKER

Ich wünsche mir mehr gegenseitigen Respekt, einander zuzuhören, miteinander zu reden und ich wünsche mir, dass man bereit ist, von Maximalpositionen auch mal herunterzukommen. Ich wünsche mir, dass die Verrohung der Sprache ein Ende nimmt, denn der Verrohung der Sprache folgen leider immer öfter auch Taten. Diese Verrohung der Sprache ist aus meiner Sicht auch Ausdruck mangelnden Respekts, fehlender Empathie und gegenseitiger Wertschätzung. Ordentlicher Umgang miteinander heißt ja nicht, dass man gleicher Meinung sein muss. Ich wünsche mir, dass wir Grundpfeiler des Anstandes finden bzw. wiederfinden.

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INTERVIEW MIT ENRICO LÜBBE

Die Gründe sind sicher komplex und lassen sich nicht mit einfachen Antworten erklären. Hinter jeder Stimme steckt eine Wählerin oder ein Wähler mit individueller Motivation. Ich glaube aber auch, es wurde in den letzten Jahren und Jahrzehnten viel verschlafen, bewusst oder unbewusst „übersehen“, auch totgeschwiegen. Dass es in vielen ostdeutschen Bundesländern Probleme gab und gibt, ist lange bekannt. Dass es tiefe emotionale Verletzungen nach 1989/90 im Osten gab, die bis heute nachwirken, dass es radikale Gruppierungen gibt, die immer größeren Zulauf finden – das ist schon lange bekannt. Dennoch wurde über Jahre beispielsweise von früheren sächsischen Ministerpräsidenten behauptet, Sachsen hätte kein rechtes Problem. Anscheinend wollte sich niemand in seiner Amtszeit dieses heikle Thema auf die Agenda setzen. Die Übergriffe in Chemnitz im letzten Jahr sind nicht vom Himmel gefallen: In meiner Zeit in Chemnitz wurde beispielsweise das jüdische Restaurant „Shalom“ bereits mehrfach angegriffen, aber erst im letzten Jahr, als Chemnitz explizit zum Thema Rechtsextremismus in die Schlagzeilen kam, wurde das ein großes mediales Thema.

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INTERVIEW MIT MARKUS RENNHACK

Vor allem kurzfristig für die Soziokultur und mittelfristig auch für die Kultur im allgemeinen katastrophale Folgen. Wir rechnen mit Streichung von Fördermitteln und mit dem Versuch der Behinderung von allem, was sich auch nur ansatzweise gegen rechts positioniert. Mit vielem werden sie nicht durchkommen, gerade die Idee von der inhaltlichen Verpflichtung zu einer bestimmten Art von Kultur scheitert ja an der gesetzesvorbehaltlosen Kunstfreiheit – da sind die Erfahrungen mit totalitärem Zugriff einfach zu massiv gewesen. Aber der Umweg über die Fördertöpfe ist natürlich da. Und dass eine rechte Kulturpolitik hier nur mit Kahlschlag zum Ziel kommen kann, also mit der Trockenlegung ganzer Kulturbereiche, wenn dort viele gegen rechts aktive Projekte verortet sind, macht die Sache nur noch schlimmer.
Was unsere Gesellschaft insgesamt angeht: Ich denke, da wird sich nicht viel ändern. Wir haben den Rechtsruck nur in den Wahlergebnissen, in der Gesellschaft kam das schleichend, aber mit Ansage. Es ist ja auch nicht gerade so, dass wir eine sehr progressive CDU haben. Und wer heute AfD wählt, hat in vielen Fällen wohl bislang auch nur auf eine wählbare Alternative gewartet. Nicht unbedingt zu den demokratischen Parteien, wohl eher zur NPD.

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„DIE DEMOKRATIE IST WEIBLICH“ – INTERVIEW MIT SCHWARWEL TEIL 1

Die nächsten Tage, bis zur #ltw19, stellen wir Sebastian Krumbiegel und Schwarwel Fragen zur Entstehung des Songs und Musikvideos „Die Demokratie ist weiblich“. Beide Künstler geben uns aus ihrer Sicht Einblick in die Produktion, über die Entstehung und wie sie sich für die Stärkung unserer Demokratie einsetzen. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen. wbh:…

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„DIE DEMOKRATIE IST WEIBLICH“ – INTERVIEW MIT SEBASTIAN KRUMBIEGEL TEIL 1

Die nächsten Tage, bis zur #ltw19, stellen wir Sebastian Krumbiegel und Schwarwel Fragen zur Entstehung des Songs und Musikvideos „Die Demokratie ist weiblich“. Beide Künstler geben uns aus ihrer Sicht Einblick in die Produktion, über die Entstehung und wie sie sich für die Stärkung unserer Demokratie einsetzen. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen. wbh:…

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INTERVIEW MIT JEANNETTE HAGEN

Ich wünsche mir, dass es uns wieder gelingt, einen Zugang zu unseren Gefühlen zu schaffen. Wenn ich mich frage, wie es mir geht, dann geben mein Körper und mein Gehirn mir eine Rückmeldung in Form von Gefühlen. Wir wissen eigentlich ganz genau, was wir brauchen, was uns gut tut, was moralisch rechtens ist und was nicht. Wir besitzen einen inneren Kompass, aber wir benutzen ihn zu selten oder gehen über seine Angaben hinweg. Wir würden keine Menschen auf dem Mittelmeer ertrinken lassen, wenn wir auf den Kompass hören würden. Wir würden auch keine Kriege führen. Ich wünsche mir, dass Kinder schon lernen, wie man diesen Kompass benutzt. Dann regelt sich ein besseres menschliches Miteinander von selbst. Dann sind wir weniger verführ- und manipulierbar.

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INTERVIEW MIT ULRIKE GEISLER

Ich bin mir gar nicht sicher, ob wir in der sächsischen Gesellschaft wirklich einen Rechtsruck erleben. Die Einstellung in den Köpfen, dieser typisch sächsische Konservatismus und die – Verzeiht mir den Ausdruck! – Obrigkeitshörigkeit, gibt es doch nicht erst seit fünf Jahren. Als ehemals bunthaarige Jugendliche, die vor gut zwanzig Jahren ihre Jugend in Dresden verbracht hat, weiß ich, wovon ich rede. Im öffentlichen Diskurs sind sie nur zunehmend sichtbar geworden, weil unsere Debatten sich polarisieren.

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INTERVIEW MIT HOLGER MANN

Im Land fördern wir diese Initiativen maßgeblich über das Weltoffene Sachsen, aber auch durch zusätzliche Mittel für die Kulturräume und eine Stärkung der politischen Bildung nicht nur in der Schule. Ich und mit mir viele Sozialdemokrat*innen zeigen Gesicht, wo immer nötig und treten Ausgrenzung und Diskriminierung entgegen. Zu guter Letzt hat gerade Gleichstellungs- und Integrationsministerin Petra Köpping viel dafür getan, dass Menschen, die für Menschlichkeit eintreten, Unterstützung, Beratung und Anerkennung erfahren.

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INTERVIEW MIT JULIANE STREICH

In Sachsen spielt die CDU, die seit der Wende an der Macht ist, ein Rolle. Sie hat den Rechtsextremismus seitdem immer klein geredet, rechte Überfälle als Einzelfälle deklariert und Vereine, die sich gegen Rechtsextremismus einsetzen, danach gefragt, ob sie überhaupt im demokratischen Sinne des Landes handeln. MP Kretschmer hat jetzt zumindest mal zugegeben, dass Sachsen da ein Rechtsextremismus-Problem hat. Aber er betont auch immer gleich, wie schlimm die Linken sind. Ein anderer wichtiger Grund ist fehlende politische Bildung. Und dass der Osten viel zu weiß ist. Die am lautesten von der Überfremdung, der Islamisierung und dem bösen schwarzen Mann schreien, haben ja nie jemanden mit Migrationshintergund gekannt.

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INTERVIEW MIT ANGELA KLIER

Politisch ist der Alltag von uns allen, wir treffen täglich Entscheidungen, die Einfluss auf andere Menschen, Systeme und das Gemeinwesen haben. Ich glaube, das sich nur viele Menschen dieser Tatsache nicht bewusst sind, jedoch mit der bewussten Gestaltung ihres Alltages die Gesellschaft und damit auch Politik mitgestalten. Es ist zu kurz gedacht, Mitgestaltung und Mitbestimmung auf das Wahlrecht zu reduzieren oder auf die Beteiligung am öffentlichen Diskurs.
Was meines Erachtens fehlt, ist die Bewusstmachung der gestalterischen Möglichkeiten aller Menschen sowie ihre Würdigung.

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INTERVIEW MIT DR. GESINE MÄRTENS

Ich habe das Gefühl, unsere Verantwortung wächst von Tag zu Tag. Es wird auf uns ankommen, die Spaltung unserer Gesellschaft zu verhindern. Es wird auf uns ankommen, Hass und Gewalt keinen Raum zu bieten. Und es wird auf uns ankommen unsere Freiheit zu verteidigen. Das ist ganz schön heftig und meistens macht es Spaß. Die 100ste Gegendemo gegen eine handvoll Rechte macht keinen Spaß, aber muss ja …

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INTERVIEW MIT SEBASTIAN KRUMBIEGEL

Ich mache Musik, seit ich denken kann, und versuche in letzter Zeit mehr und mehr die Bühne, die ich habe, auch dafür zu nutzen, mich politisch einzumischen. Das ist manchmal gar nicht so leicht, weil es immer eine Gratwanderung ist. Einerseits bin ich irgendwann mal angetreten, um Leute zu unterhalten, andererseits habe ich mehr und mehr gemerkt, dass es nicht reicht, von lustigen Sachen zu singen und den Horizont bei Liebe, Triebe, Herz und Schmerz für beendet zu erklären. Dabei musst du aber tierisch aufpassen, dass du nicht anfängst rumzunerven, dass du nicht anfängst, zu eifern und zu missionieren. Den berühmten Prediger-Bono-Effekt versuche ich zu vermeiden. Ich fürchte, das gelingt mir nicht immer, zumal ich weiß, dass ich dazu neige, manchmal emotional übers Ziel hinaus zu schießen – vor allem, wenn ich mich wirklich über Sachen aufrege.

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INTERVIEW MIT SANDRA STRAUSS

Alles, was jede*r denkt, tut und wie sie/er agiert, ist politisch. Das fängt früh beim Aufstehen und Zähneputzen an. Wie ich mich ernähre, welche Klamotten ich trage und wo ich diese kaufe, welche Arbeit ich verrichte, wie ich meine Freizeit gestalte, wie ich mit meinen Mitmenschen und den Tieren umgehe, wen ich wähle, in welchen Vereinen, Initiativen ich mich engagiere, woher ich meine Informationen beziehe … Man kommt also in seinem persönlichen Alltag gar nicht daran vorbei, ein politischer Mensch zu sein. Ein wichtiger Aspekt ist meines Erachtens, sich genau dessen bewusst und achtsam zu sein.

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INTERVIEW MIT SEBASTIAN BUSSE

Ob du dich mit Politik beschäftigst oder nicht, die Politik beschäftigt sich in jedem Fall mit dir. Der Gang zur Wahlurne taugt dabei gerade einmal zur Verhinderung des größten Übels. Es sollten sich viel mehr Menschen selber aktiv in den verschiedenen Parteien engagieren und vor allem lauter und bestimmter an vielen Stellen sagen: So geht das nicht!
Die eigene Medienkompetenz ist da ein sehr zentrales Thema. Alles, was du hörst oder liest, ist einmal durch deinen Kopf und hat dabei seine Spuren hinterlassen, ob du willst oder nicht. Je vielseitiger dabei der Input, desto mehr erkennt man, wie stark gesellschaftlicher Konsens geformt wird und eben nicht von den klugen Köpfen unserer Zeit getragen wird.

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INTERVIEW MIT BIRGIT KILIAN

Eine starke Zivilgesellschaft ist von enormer Bedeutung für Deutschland. Wir haben so viele engagierte Menschen in Deutschland mit Herz und Verstand, auf die unser Land zurecht stolz sein darf. Die Zivilcourage ist manchem von uns leider abhandengekommen. Wir haben diese lange nicht so gebraucht wie heute. Es gilt, wieder lauter zu werden, wenn Unrecht geschieht und Zivilcourage zu zeigen.

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INTERVIEW MIT FABIAN WOLFF

Schön wäre, die demokratische Bildung in der Schule zu stärken durch mehr politische Bildung, was ja in Sachsen gerade auf den Weg gebracht wurde, aber noch viel stärker durch gelebte Demokratie an den Bildungseinrichtungen. Das Grundproblem ist wahrscheinlich, dass es oft von der Schule bis zur Universität zwar bereits gute Rahmenbedingungen gibt und die Schüler*innen und Student*innen in der Theorie zwar vielfältig mitbestimmen könnten, diese Rechte aber in der Praxis aus verschiedenen Gründen leider noch nicht vollumfänglich wahrgenommen werden. Das kann zum Beispiel daran liegen, dass Schüler*innen sich beispielsweise nicht trauen, gegen ihre/n Schulleiter*in zu stimmen, oder ein/e Rektor*in einer Uni dem Personalrat einfach keine Räume zur Verfügung stellt, obwohl sie ihm zustehen würden. Wir brauchen also vor allem mehr Mut, die schon erkämpften Rechte auch durchzusetzen.

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INTERVIEW MIT DANIELA KOLBE

Jede*r, der/dem dieses Land am Herzen liegt, sollte die Zeit bis zum 1. September nutzen, mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen. Und natürlich ist es wichtig, am 1. September zwei gültige Stimmen abzugeben. Wer kein schwarz-blau will (auch nicht verkappt durch eine Minderheitsregierung der CDU), sollte auch weder schwarz noch blau wählen. Eigentlich logisch. Und man sollte bei seiner Stimmabgabe auch darauf achten, Sachsen nicht unregierbar zu machen.

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INTERVIEW MIT ANTJE WONNEBERGER

Wenn jeder in seinem/ihrem „Feld“, sei es in der Kunst/Musik, Wissenschaft, Politik, Medizin, Medien, Informatik, Sport oder wo auch immer sich alltäglich stark macht für ein gerechtes, faires, offenes Miteinander, dann ist – denke ich – schon viel geholfen. Ich finde immer, es werden die kleinen Handlungen unterschätzt. Man muss nicht gleich ne große Demo auf die Beine stellen, um Menschen wach zu rütteln (find ich gut, nicht dass wir uns falsch verstehen). Manche Menschen sind lieber leise & ruhige Kaliber und schreiben, malen, musizieren, programmieren, spielen Fussball für eine bessere Gesellschaft. Sie sollten genau das weiterhin und ganz selbstbewusst/entschieden tun. Vielleicht hier und da ein bisschen „öffentlichkeitswirksamer“, damit der Rest der Gesellschaft sieht, wo überall Demokratie gelebt wird. Aber auch das kann Mensch ja lernen 🙂

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INTERVIEW MIT MADLYN SAUER

Ich engagiere mich gegen Rassismus, Ressentiments, Antisemitismus, Diskriminierung aller Art. Positiv formuliert, ich engagiere mich dafür, dass jede:r sein Leben und sich selbst so gestalten und entwickeln kann, wie er/sie möchte, so lange niemand durch diese Lebensgestaltung Schaden nimmt.

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INTERVIEW MIT STEPHAN ZWERENZ

In Folge der kontinuierlichen und zermürbenden Pegida-Demonstrationen haben wir im Hole of Fame sehr viel darüber nachgedacht, was man Sinnvolles gegen Hass und Hetze tun kann. Da Pegida von Beginn an den Dialog konsequent verweigert hat, stand man jeden Montag einem wütenden Mob gegenüber und hat sich gefragt: Was machen wir hier eigentlich? Daher haben wir uns relativ schnell dazu entschieden, unsere Zeit sinnvoller zu nutzen und dem Ganzen etwas Konstruktives entgegenzusetzen. Dabei haben wir unter anderem verschiedene Veranstaltungsformate entwickelt, die sich mit dem Thema „Flucht und Migration“ differenziert auseinandersetzen. In der Reihe „Contact Perspectives“ haben wir uns (teilweise in Zusammenarbeit mit Amnesty International) verschiedene Fotograf*innen und Künstler*innen eingeladen, die sich entweder dokumentarisch oder künstlerisch mit dem Thema beschäftigen.

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INTERVIEW MIT MICHAL – BANDA COMUNALE

Wir haben es mit praktischen Handlungen versucht: Nachdem wir an unzähligen No-Pegida-Demonstrationen teilgenommen haben, Orte wie Bautzen, Riesa oder Freital besucht haben, eingeschritten sind in angespannte Situationen, in Geflüchtetenunterkünften gespielt haben, ist es bei uns deutlich angekommen: Das reicht nicht bzw. das kann nicht alles sein. Also haben wir die Band geöffnet, geflüchtete Musiker aufgenommen und haben uns verdoppelt. Seit fast drei Jahren machen wir nun gemeinsam weitere Projekte: Wir fahren an sächsische Schulen im Umland und machen mit den Kindern Krach und erzählen unsere Geschichten. Mit unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten haben wir eine neue Band gegründet und versuchen sie in dem Bewußtsein zu stärken, mit ihren Geschichten und kultureller Prägung dazuzugehören und gesellschaftlich relevant, wichtig und geschätzt zu sein.

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INTERVIEW MIT CHRISTIN MELCHER

Ich möchte, dass wir uns als Menschen sehen. Wenn wieder über „Flüchtlingsstrom“ oder „Asylanten“ gesprochen wird, zeigt sich schon eine Entmenschlichung, gleiches gilt für „Hartzer“, aber auch über „die Politiker“. Wir sind alles Menschen, wir lieben, wir essen, wir trauern, wir lachen und weinen. Ich wünsche mir, dass wir dies in unserer Sprache und in unserem Tun bedenken.

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INTERVIEW MIT MADELEINE HENFLING

Ich engagiere mich seit meiner Schulzeit gegen Nazis, Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. In ganz unterschiedlichen Bereichen war und bin ich in den letzten Jahren aktiv. Bevor ich Abgeordnete wurde, habe ich mich vor allem beim Flüchtlingsrat Thüringen bei der Vernetzung der Thüringer Bündnisse und Initiativen gegen rechts engagiert, als Vorstandsmitglied und Sprecherin für Geflüchtete eingesetzt, Demos gegen Nazis und die AfD angemeldet und organisiert, Rassismus thematisiert und Missstände angesprochen. Ich trete ein für die Rechte aller Menschen auf ein gutes Leben, egal wo sie herkommen, wen sie lieben oder welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen. Ich kämpfe für eine liberale und gerechte Gesellschaft ohne Hass und Hetze. Und das auf allen Ebenen, ich bin für die Grünen aktiv auf kommunaler Ebene, Landesebene und ich sitze im Bundesparteirat der Grünen.

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INTERVIEW MIT IRENA RUDOLPH-KOKOT, geb. 1973 in Moskau

Politik ist kein Lieferdienst. Jede*r sollte einen Teil dazu beitragen. Dazu ist es nicht zwingend nötig, in eine Partei zu gehen, aber sich gesellschaftlich zu engagieren schon. Ehrlicherweise muss man aber auch sagen, dass in einer Parteiendemokratie die direkte Gestaltung natürlich in einer Partei besser umzusetzen ist.
Das Engagement in inhaltlichen Kampagnen, wie zum Beispiel bei Fridays for Future, kann Politik aber auch beeinflussen und dieses Engagement ist enorm wichtig für die Aushandlungsprozesse, wohin unsere Gesellschaft steuern soll.
Ich persönlich ziehe vor allen Menschen den Hut, die sich in ihrer Freizeit für eine positive Entwicklung in unserer Gesellschaft, frei von Egoismen, einsetzen.

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INTERVIEW MIT RON SCHÖNE

Ich habe das Glück, bei einem Arbeitgeber zu sein, der sich Antirassismus, Gleichstellung und Inklusion sogar in die moralischen Richtlinien der Konzernführung geschrieben hat. Das äußert sich in diversen eigenständigen Antirassismus-Kampagnen, die jährliche Teilnahme am World Diversity Day, Coming-Out Hilfestellungen, um nur wenige zu nennen.

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INTERVIEW MIT MIRA KÖRLIN

Was bedeutet für dich: Wir bleiben hier!
„Damit kann ich viel anfangen. Darüber nachzudenken, was es für mich persönlich bedeutet, wenn eine autoritäre Partei in Regierungsverantwortung kommt, liegt in Anbetracht der Entwicklungen weltweit, in Europa und auch in Sachsen irgendwie auf der Hand. Zugleich ist es dann umso wichtiger, sich bewusst zu machen, wo die persönliche Verantwortung liegt: familiär, im Gestalten der Wirklichkeit, im Zusammenwirken mit anderen. Für mich ist das hier.“

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INTERVIEW MIT SÖREN PELLMANN

Politik gehört zur Demokratie zwingend dazu. Dabei ist es wichtig, sich vollumfänglich einen Überblick über aktuelle Themen zu verschaffen und sich dann dort einzubringen, wo das persönliche Wissen groß ist oder Menschen ein Interesse an Mitgestaltung haben. Entscheidend ist dabei nicht, ob das Engagement in einer Partei erfolgt oder über bürgerschaftliches Engagement. Es gibt viele Bürgerinitiativen und -bündnisse, die vor allem die Politik bereichern und mit neuen Ideen konfrontiert.

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INTERVIEW MIT SASCHA KODYTEK

Es gibt da einen schönen Spruch: „Es mag sein, dass Du dich nicht für Politik interessierst, aber Politik wird sich immer für jeden Bereich deines Lebens interessieren.“ – So ist es auch. Die Entscheidung, sich nicht für Politik zu interessieren oder nicht mitzugestalten, bedeutet nur, sich dafür zu entscheiden, sich treiben zu lassen. Unsere Gesellschaft ist immer in Bewegung. Die Frage ist bloß: Will man Teil dieser Bewegung sein oder nicht? Weil ich Ansprüche und Werte habe, ist es mir wichtig Teil der Bewegung zu sein und deshalb gestalte ich aktiv mit.

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INTERVIEW MIT VIKTOR VINCZE

Ein großer Fehler der Politik vergangener Jahre war, dass die Akteure besonders im ländlichen Raum ausgeblutet wurden. Die Folge ist eine Generation, die schwer für unsere Demokratie zu begeistern und anfällig für populistische Argumente sind. Eine verantwortungsvolle Politik fängt schon bei der Jugendarbeit an, flankiert durch gute Kultur- und Medienarbeit. Alles andere wird später sehr teuer für die Gesellschaft.

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INTERVIEW MIT ANNA KALERI

Jeder, der seine Stimme verschenkt, verschenkt seine Möglichkeit der Mitwirkung. Mich erschreckt mitunter die apolitische Haltung mancher Menschen, auch aus dem Kunst- und Kulturbereich. Sie würde eine blau-schwarze Politik schwer treffen. Vielleicht sollten wir in unserem Freundes- und Bekanntenkreis fürs Wählen werben und gerade in der Sommer- und Ferienzeit auf die Briefwahl hinweisen. Von Seiten der Parteien braucht es eine klare Unterscheidbarkeit der Parteiprofile. Wähler*innen müssen ohne Umschweife erkennen, wofür eine Partei im Kern steht.

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INTERVIEW MIT THOMAS DUDZAK

Was ist denn Politik? Politik ist die Auseinandersetzung – und zwar nicht nur in Parteien oder Parlamenten – über die Frage, wie wir leben wollen. Also wie wir alle leben wollen. Deshalb ist es nicht vor allem wichtig, sondern vor allem naheliegend, dass das alle beschäftigt. Aber wenn es beim allein Reden unter Freundinnen und Freunden bleibt, wird sich nichts ändern. Das geht nur mit Engagement. Wo, ist dabei fast egal: Ob in der Bürger*inneninitiative, im einem der zig zivilgesellschaftlichen Bündnisse, die es derzeit gibt, in Parteien … Alles legitime Orte. Man darf sich nur nicht entmutigen lassen davon, dass in diesem Land Leute mit Hass, Fake News und Hetze mehr Aufmerksamkeit und Verständnis von vielen Medien und Berufspolitikern bekommen, als Menschen, die für ihre legitimen Interessen in ihrer Lebenswirklichkeit eintreten. Das ändert sich. Langsam, aber bestimmt.

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INTERVIEW MIT MICHAEL LINDNER

Was verbindest du mit: Wir sind mehr!: Den großen Wunsch, dass wir die wabernde und schweigende Masse bewegen können, sich ihrer Kräfte bewusst zu werden, um für sich, ihre Kinder und Enkel aktiv in Sachen Frieden, soziale Gerechtigkeit und Umwelt aktiver zu werden und die Demokratie so auszureizen, dass man den Herrschenden in Politik und Wirtschaft immer wieder den Spiegel vor das Gesicht hält und ihnen verdeutlicht, dass wir es sind, die diese Demokratie tragen und stärken. Politiker und Wirtschaftschefs sind als Dienstleister von uns berufen worden, die Rahmenbedingungen zu schaffen, dass die fragile Demokratie in Deutschland und Europa stabiler wird und für jeder seiner Bürgerinnen und Bürger eine Zukunft bietet.

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INTERVIEW MIT MICHAEL SCHWESSINGER

Also ethnologisch gesehen, ist das gar nicht so untypisch. Menschen haben gewöhnlich Angst vor den Unbekannten. Dieses Misstrauen findet man in vielen Kulturen. Interessanter für mich sind die nächsten Schritte. Wie kann ich Misstrauen abbauen? Ein Beispiel aus Norwegen. Als ich hier letzte Woche ankam, lud die Gemeinde alle Saisonarbeiter zu einer Rafting-Tour ein. Da waren ein Kroate mit Kriegserfahrung in seiner Jugend, eine Französin mit Hjab, eine Norwegerin, eine Jamaikanerin, ein anderer Franzose und ich in diesem Boot. Und wenn du mal so ein Rafting bei Schneeschmelze zusammen gemacht hast, dann verbindet das. Also ich zum Beispiel hab auch eine Unsicherheit bei verschleierten Frauen. Ich denke immer, was darfst du jetzt, was nicht, bekommt sie jetzt Probleme, wenn du sie zu lange ansiehst, etc. Dann sitzt du da im Boot und fällst übereinander, springst von irgendwelchen Felsen, merkst, dass du gar nicht so verschieden bist und kommst ins Gespräch danach. Also fragte ich sie dann, was ich schon immer mal wissen wollte, und sie war total relaxt und offen und erzählt mir dann eben ihre Sicht der Dinge drauf. Es war ein enormer Zugewinn. Also denke ich, man muss eben diese Orte schaffen zur Begegnung. Irgendwelche Sammelstellen sorgen für das Gegenteil. Warum man sich dieser Möglichkeit der Begegnung beraubt, weiß ich aber auch nicht.

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INTERVIEW MIT MARTINA JACOBI FÜR DEN SCHWEIZERHAUS PÜCHAU E.V.

Wir sind ein Kunst/Kultur- und Bildungsverein auf dem Land. Wir werden seit bald zehn Jahren projektfinanziert und erhalten Förderung zumeist nur über ein Jahr. Wir haben keine fest angestellten Mitarbeiter*innen. Das bedeutet, dass viele „Drumrum-Sachen“ im Ehrenamt gestemmt werden. Natürlich muss sich das ändern, wenn man mit kultureller Bildung wirklich Nachhaltigkeit erreichen möchte.

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INTERVIEW MIT JEAN-PHILIPPE OBST

Wie ich an anderer Stelle schon sagte, so bin ich froh und gleichzeitig traurig, dass meine Kinder nicht meine Hautfarbe oder gar die meines Vaters geerbt haben. Ich bin also froh, dass sie nicht die Blicke abbekommen werden, die ich wegen meiner dunkleren Hautfarbe bekomme, und traurig, weil sich unsere Gesellschaft so gewandelt hat, dass ich froh sein muss, dass sie eben nicht aussehen wie ich. Hier bleiben heißt für mich, weiter diese Blicke auszuhalten, weiter mein Möglichstes zu tun, um die Verhältnisse wieder zum Besseren zu wenden, damit meine Kinder, so wie ich, in einer offenen, toleranten und großartigen Stadt aufwachsen und von ganzem Herzen „Mein Leipzig lob ich mir!“ sagen können.

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INTERVIEW MIT KARINA ESCHE

wbh: Magst du unseren Leser*innen kurz von deiner Arbeit und deinem Leben erzählen. Ich bin 56 Jahre alt, habe drei Kinder und arbeite seit 14 Jahren als Klinikclown, worüber ich mega glücklich bin! Mir sind Menschen wichtig, die ehrlich, offen, humorvoll, hilfsbereit, achtsam, neugierig, aktiv und positiv sind! wbh: Wo bist du aktiv, wofür engagierst…

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INTERVIEW MIT KARSTEN KRIESEL

Unser Erbe marschiert montags durch Dresden, unsere Zukunft freitags auf der ganzen Welt. Mit ein bisschen Glück entscheidet sich der Mensch in den nächsten Jahren nicht dafür, dass es umgekehrt ist. Oder anders: Wir kommen theoretisch mit ein paar Mausklicks an das gesamte Wissen der Welt. Wir haben mit unserer Geschichte das Schlechteste und vielleicht auch das Beste, wozu der Mensch fähig ist, durchlebt: Das könnte als lehrreiches Erbe für eine ziemlich rosige Zukunft sorgen, wenn wir all diesen Input „vernünftig“ nutzen. Einerseits. Andererseits ist das dem Menschen allzu oft nicht gegeben. Und so haben wir auch ein Erbe angehäuft, dass es der Zukunft sehr schwer macht: Unser Leben zerstört den Planeten. Unsere Gesundheit macht andere krank. Unser Luxus lässt andere verhungern, unsere Freiheit macht andere zu Sklaven. Jeden Tag. Jede Kaufentscheidung trägt das mit.

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INTERVIEW MIT JULE NAGEL

Es gibt einen glasklaren Unterschied zwischen der politischen Arbeit in Leipzig und anderen Orten in Sachsen. In Leipzig gibt es eine gewissen Offenheit, im Stadtrat, aber auch bei den Menschen auf der Straße. Hier lässt sich gut um Argumente und die besten Lösungen streiten.
Ich bin oft in Sachsen unterwegs und auch im Landtag präsent. Gerade die Arbeit in Dresden war für mich ein gewisser Schock: Demokratietheoretisch und auch bezüglich der politischen Kultur. Insbesondere die CDU agiert mit einer unglaublichen Arroganz der Macht und lässt Vorschläge, die ihnen nicht in den Kram passen, abprallen. Natürlich ist auch die AfD ein Faktor: Seit 2017 hat sich die Rhetorik dieser rassistischen, national-konservativen Partei extrem verschärft.
Kraft und Hoffnung geben aber immer wieder die zahlreichen zivilgesellschaftlichen Akteure, die es überall in Sachsen gibt.

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INTERVIEW MIT BERND SCHALLENBERG

Freiheit ist ein sehr hohes gut. Dafür war ich 1989 Teil der Demonstrationen.
Freiheit bedeutet in erster Linie, seinen eigenen Kopf zum Denken benutzen. Dazu ist Bildung unerlässlich. Daraus leitet sich dann die Fähigkeit ab, eigenständig zu handeln.
Freiheit bedeutet ebenso sich frei zu äußern, gerade heraus und ehrlich. Das heißt nicht, sich gegenüber anderen zu erhöhen und sich für den Nabel der Welt zuhalten.

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INTERVIEW MIT SALKA SCHALLENBERG

Ich dachte ehrlich gesagt, als ich von der Kampagne „Wir bleiben hier“ las gleich „Ist es wieder soweit?“ Vor 30 Jahren (!) gab es auch einen ähnlichen Slogan derer, die in der DDR bleiben und hier etwas verändern wollten – da waren wir junge Erwachsene und jetzt sind wir es, die etwas in unserem Land bewegen wollen und unsere Kinder, die junge Erwachsene sind.

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INTERVIEW MIT TOBIAS PRÜWER

Die Gründe sind zu komplex, um alles hier differenziert und in Kürze betrachten zu können. In diesem kausalen Mosaik spielen von Gefühlen der Zurückweisung und realen Biografiebrüchen (die werden ja immer angeführt) bis hin zu geschlossenen rechten oder nazistischen Weltbildern, von historisch überliefertem Überlegenheitschauvinismus und Regionalismus, militaristischen Männerbildern viele Steinchen eine Rolle. Sicher, auch die soziale Lage darf nicht verkannt werden: Aber, nur weil man arm ist, wird man nicht Nazi. Hinzu kommt das Herunterspielen von Nazigewalt durch akzeptierende Jugendarbeit und in Sachsen durch fast 30 Jahre CDU-Regierung. Wenn der hiesige Ministerpräsident Klimaschutzpolitik mit der AfD gleichsetzt, spricht das Bände. Was der AfD-Erfolg nicht ist: ein reines Ostproblem. Der »Osten« an sich reicht aber auch nicht als Erklärung und sollte auch in solchen Aufzählungen vermieden werden, damit nicht die ewige Opferrolle wieder bedient wird.

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INTERVIEW MIT MIKKI SIXX

Ich würde ja gerne behaupten, die haben keine Programme und bewegen nichts – man soll die mal machen lassen und dann sehen alle was für Dampfplauderer und Halunken die sind, aber leider, leider hatte ich gerade die Ehre unter einer ÖVP-FPÖ-Regierung zu leben, die bereits in kürzester Zeit einen neoliberalen Sozialabbau zugunsten des Kapitals und eine extrem ausländerfeindliche und nationalistische, sich selbst isolierende Politik umgesetzt hat, die alles Aufgezählte kaputt macht … Diese Leute sind nicht wählbar und sie arbeiten nie für jene, die sie wählen.
Wer das Ibiza-Video von Johann Gudenus und HC Strache nicht diesbezüglich verstanden hat, dem kann ich dann nicht mehr helfen. Egal, wie die in Deinem Land heißen: Sie scheißen genau auf Dich, kleine Frau und Dich, kleinen Mann 😉
Also: Die Auswirkungen wären verheerend.

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INTERVIEW MIT JENNIFER SONNTAG

Kommunikation und Begegnung schaffen und ihnen das Gefühl geben, etwas erleben zu können, etwas Positives schaffen zu können, ein sinnerfülltes Leben zu haben. Die Sozialpädagogin in mir müsste sagen, in denen drin müsste man erstmal ganz schön viel Aufbauarbeit leisten, der Mensch in mir wehrt sich dagegen, die Seele eines Nazis zu ergründen. Letztlich geht es bei vielen Betroffenen um fehlende Anerkennung, Kränkung, Enttäuschung. Sicher ist es Aufgabe der Gesellschaft, für ein gutes Klima für alle zu sorgen. Aber sorry, zu seinen Glückslichtern muss auch jeder selber finden. Ich kann jetzt auch nicht, nur weil ich blind bin, anfangen Sehenden die Augen nicht zu gönnen. Ich muss „schauen“, wo und wie ich Erfüllung finde und möchte nicht in einer Dauerschleife des Selbstmitleids verharren. Jeder durchlebt Phasen, aber man muss auch nicht auf seinem Jammerfilm hängenbleiben. Wir haben Verantwortung für unsere Gedanken und sind auch zu großen Teilen unseres Glückes Schmied, und das Schmieden fängt im Kopf an.

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INTERVIEW MIT ROMAN SCHULZ

Wir erleben aktuell eine sehr unruhige Umbruchsituation – regional, national und global. Stürmische Zeiten, Wertmaßstäbe und traditionelle Werte sind mächtig in Bewegung geraten. Unsere liberale Demokratie ist weltweit kein Selbstläufer mehr! Autoritäre Systeme mit Einschränkungen von Grundrechten nehmen zu. Dinge werden komplexer, Themen sind inhaltlich mehr und mehr vernetzt. Einfache Antworten gibt es eigentlich nicht mehr, gab es eigentlich auch nie. Manche Menschen fordern diese aber gerade mit simplen Lösungen ein und „Politik“ macht es sich zum Teil einfach und bedient diese Flanke mit populistischen Parolen! Da ist Vorsicht geboten, da sollte man schon selbst „mitdenken“. Wie unsere Zukunft aussehen könnte, sollte wichtiger sein als GNTM oder welcher Landbewohner welche Frau heiraten wird.

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INTERVIEW MIT JÜRGEN KASEK

Jeder Mensch trägt mit seiner Entscheidung dazu bei, wie sich diese Gesellschaft entwickelt, und wir alle sind Teil der Gesellschaft. Die Frage, die sich jeder stellen sollte, ist, in welcher Gesellschaft will ich leben/sollen meine Kinder groß werden und was kann ich dafür tun? Jeder Mensch kann handeln, zum Beispiel indem er sein eigenes Handeln (Einkauf, Verkehrsmittel), kurz seine eigene Lebensweise überprüft, dann mit Menschen in Kontakt tritt, die ein ähnliches Problem haben, und dann überlegt, wie eine Lösung aussehen könnte. Unsere Demokratie stellt eine Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung – von Demonstrationen, über Streitschriften, Petitionen, Anfrage. Alles Möglichkeiten, die Meinungsbildung und Entscheidungsfindung zu beeinflussen.

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INTRVIEW MIT CHRISTIAN WOLFF

Sorgen zu haben, ist kein „Privileg“ der sog. Wutbürger. Ich selbst habe auch Sorgen und möchte, dass diese respektiert werden. Ich weiß aber auch, dass es mir gar nichts nutzt, wenn jemand meine Sorgen nur bestätigt. Das ist leider in den vergangenen fünf Jahren in Richtung Pegida/AfD geschehen: Die sog. Sorgen und Ängste wurden nur bestätigt. Das hat mit Befreiung nichts, mit Herrschaft aber ganz viel zu tun. Was gut ist, dass durch FridaysForFuture endlich Zukunftsthemen in den Vordergrund rücken.

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INTERVIEW MIT TOBIAS BURDUKAT

Bis zum 26.05. hätte ich gesagt ein politischer Wille, der die Arbeit will, damit sich Gesellschaft durch Jugend und deren Beteiligung entwickeln kann. Heute sage ich, dass momentan ein solidarisches Miteinander zwischen den Menschen, die an eine freie und gleichberechtigte Welt ohne Nationalstaatlichkeit und Hass glauben, notwendig ist, um Arbeit wie die unsere oder die von vielen anderen Vereinen und Sozialarbeiter*innen zu schützen. Denn die Menschen, die der offenen und freien Gesellschaft entgegenstehen, haben nun eine politische Legitimation und werden alles in ihrer Macht stehende versuchen uns loszuwerden.

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INTERVIEW MIT STEPHAN CONRAD

Es braucht ein Demokratieförderungsgesetz, damit Vereine wie wir von allen Fördermittelgebern institutionell gefördert werden können. Und das über viel längere Laufzeiten als im Moment. Eigenmittel für Projektträger sollten abgeschafft oder nur in Ausnahmefällen erhoben werden – insbesondere kleine Vereine haben damit erhebliche Mehrbelastungen. Solange es das nicht gibt, brauchen wir stabile Förderungen mit fünf- bis zehn-jährigen Laufzeiten und nur symbolischen Eigenanteilen. Die Probleme, die Demokratiearbeit hat, sind teilweise über Jahrzehnte gewachsen und müssen kontinuierlich bearbeitet werden. Das braucht Zeit, Geduld und Geld.

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INTERVIEW MIT CLAUDIA MAICHER, MDL

Politische Ideen für das Miteinander in diesem Land zu entwickeln, ist eine schöne Aufgabe. Mir ist wichtig, dass die Anliegen der Menschen Sichtbarkeit und eine Stimme bekommen. Politisches Engagement beginnt nicht im Landtag, sondern im Gespräch mit der engagierten Zivilgesellschaft vor Ort. Deshalb sind Bündnisse mit denen, die sich für eine gute, lebenswerte Zukunft in Leipzig und Sachsen einsetzen so wichtig. Nur so können wir gemeinsam Demokratiefeinden, Klimaschutzgegnern und Freiheitsräubern etwas Starkes entgegensetzen.

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INTERVIEW MIT DAVID GRAY

Unerlässlich ist, dass man zunächst einmal miteinander redet und zwar auf Augenhöhe und nicht von oben herab oder durch ideologische Scheuklappen gebremst. Man besiegt Nazis nicht durch Schweigen. Sondern dadurch, dass man sie zum Dialog zwingt und dabei aufzeigt, wo die immensen Leerstellen hinter ihren muggeligen Verheißungen von einem „Zurück zu Opas heiler Welt“ liegen. Womit noch jede rechtskonservative, völkisch nationale Bewegung ihre Schäfchen einfing und die Herde zusammenhielt war eine Drohkulisse aus Angst.

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INTERVIEW MIT OLE PLISCHKE

Ja: Ich, auffälliger Schüler, öfter im System angeeckt. Hab mir gedacht, solche Kinder und Jugendlichen brauchen geeignetes Personal, das deren Ideen versteht. Also bin ich Sozialpädagoge geworden. Hab dann in einem Jugendtreff angefangen und durfte Dank Schwangerschaften innerhalb von fünf Monaten die Projektleitung übernehmen. Naja, kaltes Nass halt. Passt schon. Und jetzt arbeite ich seit drei Jahren als Projektleiter mit Kindern und Jugendlichen zwischen acht und 22 Jahren.

In Freital bin ich aktiv und engagiere mich für alternative Freizeitgestaltung, Demokratieförderung und den Abbau von Vorurteilen.

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INTERVIEW MIT KATJA RÖCKEL

Im Rahmen meiner Arbeit bin ich in mindestens drei Netzwerken aktiv: dem Netzwerk Medienpädagogik Sachsen, dem Arbeitskreis Medienpädagogik der Stadt Leipzig und dem AK Mädchen Leipzig. Für letzteren bin ich auch Vertreterin im Gleichstellungsbeirat der Stadt Leipzig.

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INTERVIEW MIT DIRK ROTZSCH

Wer nicht mitgestaltet, der wird gestaltet und selten so wie mensch es sich für sich wünscht. Da die parlamentarische „Demokratie“ sehr anfällig durch Manipulation von Lobbyisten ist, ist es wichtig, dass die Mehrheit sehr deutlich macht was sie nicht will, sonst schlagen die Politikdarsteller über die Stränge.

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INTERVIEW MIT ANDREAS DOHRN

In Sachsen Politik zu gestalten, macht doppelt Spaß. Zum einen sind in der postsozialistischen Gesellschaft eines östlichen Bundeslandes mehr Freiräume vorhanden als z. B. in meiner Geburtsregion Stuttgart/Baden-Württemberg. Zum anderen sind größere politische Gefahren zu bekämpfen.

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